Highlights, Lowlights, Alltag

Mittwoch, 27.06. - Schnee
Ausser am Meer (also hier) hat es in fast ganz Suedafrika geschneit. Johannesburg ist mit 20cm Neuschnee aufgewacht - dem ersten Schnee seit ueber 20 Jahren. Ich fand's sehr lustig, der Rest des Landes eher nicht: Strassen und Flughaefen wurden gesperrt, das Disaster Management wurde alarmiert und alle haben verrueckt gespielt. Und da soll noch mal jemand sagen, Eislaufen in (Sued-) Afrika sei dekadent (ich denke an meinen Mitbewohner C. E. ...)

Donnerstag, 28.06. - Khayelitsha & Somerset
Im Auftrag von Zandile bin ich mit einer unserer Klientinnen nach Somerset gefahren, um ihre Tochter (knapp 1 Jahr alt) aus dem Hospiz abzuholen. Die Kleine sieht praechtig aus und ist wieder gesund. Im Anschluss ging's nach good old Khayelitsha, um eines unser "Kids" (15) ueber die Ferien aus dem Kinderheim abzuholen. Hatte keine Ahnung, wo das ist (und Khayelitsha ist sehr gross...) und hab' mir daher eine Begleitung von St. Michael's geholt. Alte Bekannte gesehen und ganz doll gefreut! Nebenher noch mitbekommen, dass meine moechte-gern Stiefmutter Nontsasa im Mutterschaftsurlaub ist. Also noch schnell zu ihr nach Hause gefahren und zu ihrem Sohn Lisakhanye, geboren am 11.06., gratuliert. Fazit: Viele Kilometer gemacht, viel Zeit zum Nachdenken gehabt, neue Erkenntnisse getroffen, alte Freunde getroffen, gut gelaunt nach Hause gekommen...

Freitag, 29.06. - Worcester
Im Auftrag von Louise bin ich nach Worcester gefahren - mit dem Bakkie, der Benzin ohne Ende schluckt - und hab' fuenf Kinder (10 - 15) aus dem Kinderheim fuer die Ferien abgeholt. Unterwegs bin ich alle paar Meter stehen geblieben (nein, meinem Bakkie ging's gut) und hab' Bilder von schneebedeckten Bergen gemacht. Unterwegs wurde ich von der Polizei angehalten, die 10min. lang meinen Fuehrerschein hin- und her gedreht haben, ohne ein Wort zu sagen. Und ich habe meine Wegbeschreibung vergessen, meinen Bestimmungsort aber trotzdem ohne Fragen und Verfahren auf Anhieb gefunden. Als das Gepaeck auf der Ladeflaeche war, hat die Hinterachse meines Bakkies geaechzt - als die Kinder dazu kamen, hab' ich mich gefragt, ob wir die 200km nach Hause schaffen... (keine Angst, die Ladeflaeche hat einen "Deckel").

Samstag, 30.06. - Regenzeit
Ich mache vermehrt die Erfahrung, dass man sich in Suedafrika zu 99% auf den Wetterbericht verlassen kann. Am Samstag war 80% Regen angesagt - und ich musste in die Stadt. Alles, was im entferntesten Wetterfest ist, hat mich versucht zu schuetzen. Nach 10min. Fahrt mit meinem rosa Ferrari alias "Fahrrad" war ich bis auf die Unterwaesche nass. Habe den ganzen Nachmittag damit verbracht, meine zwei Pullis in der Naehe unseres Paraffin-Oefchens irgendwie halbwegs trocken zu kriegen. Hat ziemlich lange gedauert - sogar mit Unterstuetzung des Buegeleisens...

Sonntag, 01.07. - Peter & David
Wie jeden Sonntag hat mit Julian zur Kirche abgeholt. Mitten waehrend des Praise and Worship hat mich Peter entdeckt: Peter ist Julians Neffe und verrueckt nach mir - keiner weiss, warum (und ich habe nur zwei Sonntage bei ihnen zu Hause verbracht, wo Peter nicht mal in meiner Naehe war). Er hat sich gefreut wie ein Schneekoenig, wollte mich auf der Stelle mit nach Hause nehmen, und hat Patrick (seinem Vater) erzaehlt, ich sei seine Freundin (DIE Freundin). Peter ist vier. Diesmal bin ich aber nach der Kirche nicht mit Julian und Patrick nach Hause gegangen, sondern mit Lesley, Sarah und Christy. Wir haben nett gekocht und uns dann ueber David unterhalten. Der ist kurz davor, zu heiraten - leider ist seine Verlobte eine Zeugin Jehovas und eine ziemliche Kommandante, was uns allen als Davids Freunde nicht so recht passt (vor allem die Tatsache Zeugin Jehovas). Wir haben ihn herbestellt und herausgefunden, dass er nicht mehr lacht (seit er verlobt ist), und ich dachte immer, Verlobte seien mit die gluecklichsten Menschen der Welt. Er meinte aber, alles sei ok. Ausser, dass Sherleens Familie nicht kommen wuerde, wenn sie in Davids Kirche gtraut wuerden. Naja... (Bild: David und Sherleen)

Montag, 02.07. - Party
Das war der Tag, an dem die "Party" im Buero angefangen hat: Rina (unsere Managerin) ist fuer eine Woche im Urlaub! Ja, der Umgang mit ihr ist schon sehr strikt - diese Woche koennen wir morgens gemuetlich zusammen Cafe trinken, ueber's Wochenende tratschen und lachen (ohne Rechenschaft ueber das Verlassen unseres Arbeitsplatzes ablegen zu muessen).

Mittwoch, 04.07. - kranke Sonne
Der Wetterbericht hat 25 Grad vorausgesagt - und Dank der Zuverlaessigkeit des Wetters konnte man zur Abwechslung mal wieder im T-Shirt rumlaufen. Das tat gut. Ich hab' mich natuerlich gleich in die Sonne gesetzt (bei uns im Buero ist es naemlich ziemlich kuehl...) - was folgendermassen kommentiert wurde: "The sun is going to make you sick!" (Ingrid); "Is that the way of going to be spoiled? You'll get the flu and then your boyfriend can spoil you when he's coming to make you get better" (Elton). Nein, die Sonne macht mich nicht krank...


Mittwoch, 04.07. - Feuer
Am fruehen Abend war ich gerade auf dem Weg zum 20 Schritte entfernten "Shop" (das ist ein Raum, in dem Klopapier, Streichhoelzer, Paraffin, Mehl, Maismehl, Milch, Sauermilch, Cola, Waschmittel, Oel, Bonbons, Chips, Kartoffeln, Zwiebeln, Reis und Brot - also das Notwendigste - verkauft wird). Ein paar Haeuser weiter sah ich riesige Flammen lodern. Ich war neugierig, bin ein bisschen weiter gegangen und hab' gesehen, dass ein paar "Shacks" (Holz- oder Wellblechhuetten) gebrannt haben. Gleichzeitig kam ein 7-jaehriges Maedchen zu mir und hat mich um Hilfe gebten, sie habe eine Zweijaehrige ohne Mutter bei dem Feuer gefunden (auf Xhosa!); sie war bei der Polizei und wurde wieder weggeschickt. Ich hab' die beiden geschnappt und bin zur Polizei, wo ich erst mal den einzigen anwesenden Polizisten angepampt habe, was er sich eigentlich dabei denkt, zwei Kinder (Maedchen) alleine im Dunkeln auf die Strasse zu schicken, wenn nebenan die Hoelle los ist und jeder auf der Strasse ist. Nicht zu vergessen ist, dass wir uns im kriminellsten der Viertel befinden, wo Vergewaltigung von Kindern nicht selten ist... Ich habe dann im Trauma-Raum so lange mit den beiden gewartet, bis die Mutter kam (ca. 1,5h spaeter).

Donnerstag, 05.06. - Wal
Gestern habe ich meinen ersten Wal gesehen. Leider war der so weit weg, dass ich nur das spritzende Wasser gesehen hab', als der Wal wieder ins Wasser gefallen ist. Randbemerkung: Die Wale springen immer so aus dem Wasser und lassen sich dann ruecklings wieder rein fallen, was ziemlich viel Aufsehen erregt (habe ich gehoert)... Aber die Wale sind definitv hier - und ich werde so lange bleiben, bis ich sie richtig gesehen habe!

Freitag, 06.07. - Ende in Sicht
Heute habe ich ein lang ersehntes Ziel erreicht: Der erste Teil meiner Studie (ueber Zwelihle, Einwohner, Probleme und Beduerfnisse mit Blick auf Child Welfare's Arbeit) ist so gut wie fertig! Von 600 vierseitigen Frageboegen habe ich 590 zurueck bekommen - und die habe ich alle auseinandergenommen (also die Informationen in ein kompliziertes, neunseitiges Tabellensystem uebertragen, welches Elton als "very interesting..." bezeichnete). Heute bin ich damit fertig geworden (*JUHUU!*) - das heisst, ich muss "nur noch" evaluieren und den Bericht schreiben...

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