Der Himmel auf Erden


In Form von einer Art Zusammenfassung moechte ich einen Abschluss von diesen sechs Monaten versuchen. Ja, es klingt richtig: abgeschlossen ist diese Zeit fuer mich noch nicht. Ganz einfach deswegen, weil sie mir viel zu viel bedeutet und ich Angst davor habe, loszulassen. Loszulassen, was mir so gut getan hat, was mich persoenlich und beruflich weiter gebracht hat, was mich vom Grunde meines Herzens veraendert hat. Loszulassen von einer Zeit, in der ich gewachsen bin; einem Ort, an dem ich viel zurueckgelassen habe und viel zum ersten Mal erlebt habe; und manchen Menschen, die mir den Weg zum Himmel gewiesen haben, die mich anders und stearker geliebt haben, als ich es von "fremden" Menschen annahm.


Der ein oder andere weiss, das ich vor zwei Jahren erst von 12 Monaten in Suedafrika zurueckgekehrt bin. Der ein oder andere wird sich auch noch daran erinnern, dass ich damals nur geschwaermt habe, dass ich nur Positives erz
aehlt habe. Manch einer behauptete sogar, ich haette alles zu positiv, wie durch eine rosa Brille gesehen. Das Praxissemester war auch fuer mich nochmal ein Test, ob ich Land und Leute wirklich so toll finde, oder ob ich mich in manchen Punkten vielleicht geirrt hatte. Doch mein Ergebnis lautet: Es war noch besser als das letzte Mal - was mich selber erstaunt - ich habe mich gefuehlt wie im Himmel.


Zunaechst habe ich es erfolgreich geschafft, mir innerhalb kuerzester Zeit ein Umfeld und soziales Leben aufzubauen, mit allem was "man" so braucht: Familie, Beruf, Freunde, Kirche, Freizeitbeschaeftigung; alles voneinander unabhaengig. Und das in einem mir eigentlich fremden Land, in einem Ort, den ich nicht kannte, mit Menschen die ich nie zuvor sah. Im Buero wurde ich freundlich aufgenommen und hatte Elton als "Verbuendeten" gegen unsere Managerin Rina (die manchmal etwas anstrengend war). Zu Hause hatte ich Nokuzola als "grosse Schwester", mit der ich ueber viel reden konnte, vor allem weil sie die Betroffenen selten kannte. In der Kirche war ich gleichzeitig Tochter und Schwester von praktisch allen, die regelmaessig kamen. Mir voellig unbekannte Leute gaben mir ihre Handynummer, damit ich im Zweifel zu der unmenschlichsten Uhrzeit anriefe, wenn ich etwas oder jemanden brauche.


Mein Freundeskreis denke ich hat hauptsaechlich dazu beigetragen, dass ich mich noch besser gefuehlt habe als bei meinem ersten Besuch in SA. Damals war zwar alles schoen und gut, doch die Barriere zwischen mir als Englischsprechender u
nd allen anderen als Xhosasprechenden war oft einfach unueberwindbar. Diese Huerde gab es jetzt nicht einmal. Natuerlich hat jeder eine andere Sprache gesprochen, doch genau deswegen haben WIR immer Englisch gesprochen, ohne Ausnahme und ohne jemanden daran erinnern zu muessen. Wir alle - Juanita, Sebastian, Christy, Thapelo, Naties, Julian und ich - waren gleichermassen gut und eng befreundet, was keinem einen Vor- oder Nachteil verschafft hat. Selbst das Alter (nur wir sieben waren zwischen 15 und 30) hat nicht die geringste Rolle gespielt. Und kulturelle Hintergruende und Unterschiede (zusammen sind wir ein Mix aus Zimbabwe, Sotho, Coloured, Weiss, Indisch und Deutsch) wurden nicht nur respektiert, sondern galten z.T. als Basis fuer unsere Freundschaft.


Doch das aller entscheidenste fuer mich war, dass ich mich nicht so richtig an einen so langen Zeitraum erinnern kann, an dem ich mich so
rundum gluecklich und zufrieden gefuehlt habe. Innerlich sind in mir Ruhe und Frieden eingekehrt, so dass es mittlerweile sehr viel bedarf, um mich wuetend zu machen. Probleme gibt es kaum noch, nur noch Herausforderungen. Durch einen angenehm geregelten Tages- und Wochenablauf hat sich jeglicher Stress geloest, mein Innerstes ist einfach entspannt. Immer und ueberall das Meer zu haben, das so unberechenbar und faszinierend zugleich ist, hat mir auch ein Gefuehl von Freiheit und Kraft gegeben. Ich glaube auch, dass jeder Mensch nach bestimmten Dingen in seinem Leben sucht - auch wenn er sich derer nicht unbedingt bewusst ist. Und ich habe das befriedigende Gefuehl, alle diese Dinge genau hier gefunden zu haben. Dieses Gefuehl ist neu, aber es ist eines der schoensten, die ich je erlebt habe.


Das ist es wohl, was mich noch etwas davon abhaelt, mich wieder richtig in Deutschland eingewoehnen zu wollen. Denn irgendetwas sagt mir, dass ich das Gefuehl verlieren werde, abhaengig von gegebenen Umstaenden vielleicht. Und wer gerade im Himmel angekommen ist - wo ewiger Fruehling ist, wo es friedlich ist, wo man nur lacht und alles (alle Hochs und Tiefs) am Leben liebt, wo einfach alles stimmt und passt, wofuer es keine Worte mehr gibt - wer moechte da schon gerne wieder weg? Vielleicht habe ich einfach meinen Platz im Leben gefunden... Es war im wahrsten Sinne des Wortes: UNBESCHREIBLICH, das Beste was mir bisher passiert ist. Es fuehlt sich einfach richtig an...

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