Jetzt schaffe ich es endlich, mich kurz zu melden und durchzugeben, dass ich gut angekommen bin! Mir geht es gut, ich habe einen Schlafplatz und eine sich sorgende Familie um mich rum. So ist es mir bisher ergangen (zusammengefasst: Ich hab' nix gemacht und doch war allerhand los - es war chaotisch aber irgendwie doch ok...):
- Am Flughafen in Frankfurt hiess es, mein Gepaeck geht durch bis Kapstadt. Haha, sehr witzig. In Paris muesse ich 10min laufen um zum benachbarten Gate zu kommen. Haha, noch witziger. Nachdem ich ungefaehr 40min quer ueber den ganzen Flughafen in Paris gerannt bin (und der ist sch... gross), kam ich gerade rechtzeitig zum Boarding. Gerade will ich mich anstellen, da sehe ich auf x Bildschirmen meinen Namen und dass ich mich beim naechsten Air France Schalter melden soll. Ich renn wieder los um den zu suchen, bin allerdings am letzten Gate und habe damit kaum Chancen. Also frage ich irgend so eine Stewardess, die meint, nene, ich koenne einfach so an Board. Das stimmte sogar.
In Johannesburg dann ein aehnliches Szenario. Ich nur 2h Zeit, um die Terminals zu wechseln und am Domestic Airport neu einzuchecken. Ich laufe beschwingt aus dem einen Terminal raus, werde sofort angehalten, wo denn mein Gepaeck sei. Wird doch durchgecheckt. Nein, stimmt gar nicht, das wird es naemlich nie, man muss es immer neu einchecken. Ok, es ist schon spaet weil die Passkontrolle so ewig ging. Also auf zum Karussel. Warten... Um 12 hab ich meine Tasche, um 12h20 geht mein Flieger. Ich also wieder losgerannt Richtung Domestic Terminal. Alles zu. Verdammt. Am Schalter geben sie mir zwar kostenlos ein neues Ticket, dafuer muss ich halt bis 17h30 warten. Einchecken erst ab 15h30. Und ich bin doch so muede... Ich sitze also so im Flughafen rum, liege halb auf meinem Gepaeck und doese so vor mich hin. Schrecke alle 10min hoch weil ich denke ich habe den Flug verpasst. War ganz schoen langweilig... Dann Gepaeck abgegeben, einen Pott Cafe fuer 75 Cent getrunken, geboardet. Flugzeug startet nicht. Ich werde ungeduldig. Draussen tobt ein abartiges Gewitter, der Flughafen droht zu ueberfluten. Ob das wohl der Grund ist? Mit 1,5h Verspaetung starten wir. Endlich. Ebenso spaet komme ich in Kapstadt an, der arme Patrick wartet und wartet dort auf mich. Um 23h00 sind wir in Fisherhaven, meiner vorlaeufigen Bleibe. Aber: Mit Gepaeck! Puh...
- Freitag Morgen um 9 kommt Francois, mein Arbeitgeber, und holt mich ab. Weil Nikolene (eine seiner Mitarbeiterinnen) das WE ueber off ist, muss ich schon ran. Leider aber in Gansbaai. Das ist 40km von Hermanus, voll das Nest. Da kann ich wohnen (schlafen, kochen, duschen, etc.), bin quasi von Freitag Morgen bis Montag Morgen on duty, zusammen mit Daniel, der einen Raum weiter wohnt. Aha, das heisst also, ich kann da nicht weg. Waere ja nicht so schlimm, wenn man arbeitet. Allerdings haben wir nicht gearbeitet. Hatten einen richtigen und einen halben Einsatz in 72h Stunden. So gelangweilt habe ich mich schon lange nicht mehr. Immerhin konnte ich mich richtig ausschlafen. Aber das kann ich halt auch keine 3 Tage am Stueck... Es sind nur 100m Luftlinie bis zum Meer, wo unzaehlige Wale rumgeschwommen sind. Tolle Tiere. Ausserdem hat die Sonne geknallt, war zwar praktisch nicht draussen, trotzdem rote Schulter. Unser einzelner Patient hatte einen krassen Unfall, wir dachten er sei ernsthaft verletzt, aber er hat einen auf Memme gemacht, wie sich schnell herausstellte.
Samstag Abend war die Jahresabschlussfeier der ansaessigen Securtityfirma, mit der Ambumed zusammenarbeitet. Da konnte ich mit. Juhu, ich hab' was erlebt! Also wir sassen rum und haben gegrillt, mit mir wildfremden Menschen. War dann aber ganz nett. Aber dann ging's los. Samstag Nacht hoerte ich Daniels Frau schreien, kreischen, bruellen, und lauter dumpfe Schlaege und so, ca. 30min lang. Klang fuer mich sehr danach, als dass er sie kraeftig verpruegelt hat. Ich rannte auf die Strasse, da hat man's auch noch gehoert. Ich hatte so Schiss, dass ich mich nichts getraut habe zu unternehmen. Ich wusste ja nicht was los ist und wollte unter keinen Umstaenden zwischen die Fronten geraten. Sonntag Morgen ging's nochmal los. Kurze Zeit spaeter ueberfaehrt ein Auto Nikolene's Katze, an der sie arg gehangen hat. Ueberall Blut. Die arme hat sich die Seele aus dem Leib geheult. Ihr Freund musste das Tier dann begraben. Am Abend dann hatte ihre Schwester einen Krampfanfall, 20min lang hat sie gekrampft. Die haben wir dann noch auf die Intensivstation gebracht, erst 17 Jahre alt. Und dabei kam sie erst am Freitag aus dem Krankenhaus, weil sie wohl schon einen Anfall hatte. Komisches WE...
- Montag Morgen haben mich Daniel und Nikolene nach Fisherhaven gebracht, wo ich meine Kleidung gewechselt hab' und Gepaeck abgeworfen hab'. Dann haben sie mich in Mount Pleasant rausgeworfen. Endlich in einem belebten Ort! (Hermanus ist so gross wie Kirchzarten schaetze ich). Erst die Leute bei Child Welfare besucht, dann zu Stephan (meinem Radreparateur), dann zu Lamla bei Coca Cola. Wollte so von Haus zu Haus gehen und allen mitteilen, dass ich wieder da bin, Leute begruessen.
Dann ruft Francois an. In Caledon (ca. 45min auf der Autobahn entfernt) sei ein Patient der Blut spuckt. Da soll ich mit, das waere ja mords interessant fuer mich und gut fuer meine experience. Naja, es war dann ein stinknormaler Krankentransport – im wahrsten Sinne des Wortes, denn der Patient war so schwergewichtig wie moeglich und lebte womoeglich im einzigen Haus mit Treppen in ganz Caledon (wenn beim Runtertragen auf der Schaufeltrage sein Bauch ins Ungleichgewicht gekommen waere, waere er dank Erdanziehungskraft direkt runtergefallen, denn so einen Bauch habe ich echt noch nie gesehen, den musste immer einer festhalten!). Tja, und dann war der Tag so gut wie rum. Hab' noch zufaellig Christy und ihre tanzanische Freundin Angel getroffen, noch mal 2h gequatscht. Abends dann endlich richtig ankommen koennen, der ganzen Familie hallo sagen und die Kids begruessen. Hatte bisher nur Ptrick und Sonja gesehen. Julian war auch da, denn Sonja's und sein Vater hatte 61. Geburtstag. Wie der sich gefreut hat, mich zu sehen! Alle zusammen schoen gegessen, dann rief das Bett...
- Fisherhaven ist ca. 20min von Hermanus weg, deswegen bin ich um 7 am Dienstag Morgen (!!!) mit allen in die Stadt gefahren. Gibt ja sonst nix. Das Meer ist nach wie vor toll, die Walmuetter sind mit den Jungen immernoch da, das Wetter ist maessig bis gut, ich bin ausgeschlafen, und vor allem froh, nicht mehr in Gansbaai zu sein. Da ist es echt traumhaft schoen, aber wenn man mutterseelenallein ist und quasi festsitzt, bringt einem das halt auch nix... Sorry dass es jetzt so lang wurde, ich schreibe demnaechst wieder weniger und "klarer", auch Fotos kommen spaeter. Wollte nur von mir hoeren lassen. Ich hoffe, bei euch ist auch alles ok...
Ganz liebe Gruesse, Leo
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