Alltagssituationen

Hier will ich euch kurz ein paar Situationen schildern, wie sie mir oft begegnen - urteilen koennt ihr selbst...

Auf dem Weg zur Arbeit:
Wenn ich morgens um 07h50 mit dem Fahrrad das Haus gegenueber der Grundschule verlasse, komme ich nur muehsam voran; alle Schueler befinden sich zu Fuss auf dem Weg in Richtung Schule, laufen auf der Strasse, einen Buergersteig gibt es nicht, laufen kreuz und quer ueber die Strasse, schauen nicht nach rechts und nicht nach links. Alle tragen die gleiche Schuluniform, weisses Hemd/ Bluse, die Jungs graue Hosen, die Maedels kurze blaue Roecke, manche blaue Wollpullis, weisse Socken oder Kniestruempfe und schwarze Schuhe - alles fehlerfrei gebuegelt. Vorne an der Hauptstrasse laufen hunderte Arbeiter in Richtung Stadt, wo sie arbeiten ist an ihrer Uniform erkennbar. Rechts halten Minibusse und Bakkies, die jeweils ein Dutzend Arbeiter auflesen und zur Arbeit bringen. Kurz vor dem Buero kommen mir taeglich die gleichen Menschen entgegen, laecheln mir ein stummes "Guten Morgen" zu.
Im Township:
Wenn es zu Hausbesuchen in Zwelihle geht, bietet sich mir stets das gleiche Bild, egal in welches Viertel wir gehen: Strommasten, von denen jeweils dutzende Stromkabel zu dutzenden Haeusern und aermlichen Huetten herunter fuehren. Fuer Autoraeder gefaehrlich tiefe Schlagloecher in geteerten Strassen, noch schlimmer in den Ungeteerten. Strassenkoeter ohne Ende, es ist offensichtlich, dass sie irgendwie alle voneinander abstammen (entweder alle in einem viertel haben zu kurze Beine, die gleiche Farbe, gleiche Ohren oder sehen identisch aus). Leider moegen die meisten von ihnen keine Fahrradfahrer... Zu jeder Tages- und Nachtzeit viele, viele Menschen, die arbeitslos sind, und sich die Zeit auf der Strasse vertreiben. An Strassenecken sitzen alte Frauen, ein kleines Feuer vor sich, die Maiskolben, Schafskoepfe, Bratwuerste oder Innereien grillen und verkaufen. Ein Schild, das sagt "no dumping", dahinter Muellberge und sogar die Muelldeponie... Staatliche Autos fahren langsam durch die Strassen, durch den Lautsprecher machen sie die Menschen auf die (kostenlose) Masern- und Polio Impfkampagne aufmerksam (mit dem Ziel, ALLE Kinder zu impfen), halten alle 3m und impfen vorbeikommende Kinder.
In der Stadt:
Hermanus ist so klein, und so beschaeftigt. Ausser Autos sehe ich fast nichts in der Stadt. Ca. 70% davon sind Bakkies, die Baumaterial, Einkaeufe, Tiere, Arbeiter (siehe Bild: mitten in der Stadt) oder sonst was transportieren. Einen Parkplatz am Ort meiner Wahl finde ich trotzdem immer. Meerblick gibt es von jeder Strasse. Ich kenne die Sicherheitsleute vom Gericht, die Leute von der Tankstelle, den Menschen vom Fahrradladen, das Internetcafe ist fuer mich kostenlos, die Leute von "Hermanus Times", einige Parkplatzwaechter, Polizisten, Aerzte, Schwestern, Lehrer. Es ist Linksverkehr, Fahrradfahrer haben viel Platz auf der Strasse, werden aber trotzdem gerne uebersehen (passiert aber nichts). Insgesamt ist es sehr friedlich, gemaechlich, angenehm. Jedes zweite Haus ist ein Gaestehaus, Hotel oder B&B. Im Industriegebiet ist ueberall roter Sand auf der Strasse. Im Krankenhaus und in den Clinics stapeln sich die wartenden Patienten. Taxifahrer lehnen gelangweilt an ihren Taxis, waehrend sie auf Passagiere warten.

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