Naties

Naties, eigentlich Ignasius (25), habe ich auch auf dem Camp kennen gelernt. Er hat auf mich einen etwas zurueckhaltenderen Eindruck gemacht und dass er etwas verbirgt, ueber das er lieber nicht spricht. Seine Leidenschaft sind Musik, Natur und die Jugendarbeit, das kann ein Blinder von Weitem erkennen. Wie genau er dazu kam, Teil des Leitungsteams zu sein, wusste ich nicht...

Doch ich habe mich oefter mit Naties unterhalten, habe die "Schutzschicht" durchbrochen und sehe ihn jetzt ebenfalls als einen zu bewundernden Menschen an. Er hat keine Vergangenheit wie Julian (das ist auch nicht so einfach), aber auch er hatte einige Schwierigkeiten. Naties ist sein Leben lang ca. alle sechs Monate von einer Pflegefamilie in die naechste gewechselt, kennt seine leiblichen Eltern nicht. Mittlerweile hat er Kontakte zu manchen seiner leiblichen Verwandten, aber lange nicht zu allen. In seiner fruehen Kindheit wurde ihm nicht erlaubt, mit anderen Kindern auf der Strasse zu spielen - er sass immer im Garten und hat ihnen zugesehen. Das hat dazu gefuehrt, dass er anfaenglich gehbehindert war, er konnte nur sitzen. Das hat sich aber wieder gelegt, jetzt ist er begeisterter Rugby-Spieler und Fahrradfahrer.

Doch Verbote dieser Art haben sich fortgesetzt. Diese haben veranlasst, dass er sich irgendwann gegen alles gewehrt hat und ein richtig anstrengender Kerl fuer alle Mitmenschen geworden ist. Gleichaltrige mochten ihn nicht, haben ihn verpruegelt. In der Schule war er unbeliebt, hat die Lehrer geaergert. Zu Hause war es wie immer, nichts war erlaubt. Er weiss bis heute nicht, warum. Dann hat er angefangen, Dagga zu rauchen und zu trinken. Als er 16 war kam er irgendwie in Kontakt mit dem Jugendtreff von Bosko. Das hat ihn dazu gebracht, sich zu veraendern, das Trinken aufzuhoeren, seinen exzessiven Lebensstil in einen Verantwortlichen umzuwandeln und "he gave his heart to the Lord". Er sagt, er habe seine Freundin "gehen lassen", weil sie nicht dazu bereit war, sich fuer den Glauben und gegen Drogen und Alkohol zu entscheiden. Sehr bemerkenswert...!
Durch die Einbindung in die Jugendtreffs wurde er auf die Beduerfnisse und Probleme der Jugendlichen, vor allem in seinem Viertel, Hawston, aufmerksam. Das hat er sich zum Ziel genommen und versucht mit allen Kraeften, dort etwas aufzubauen, trotz Arbeit. In Hawston gibt es wirklich NICHTS, was die Jugendlichen machen koennen. Am Dienstag hab' ich es selber gesehen: Sie sitzen auf der Strasse und tun nichts oder sie sitzen vor den Liquor Stores, trinken und rauchen alle moeglichen Sachen. Naties will zusammen mit Julian eine Art Jugendzentrum einrichten und den Jugendlichen Beschaeftigungsmoeglichkeiten und Schutz bieten - damit sie nicht so "enden" wie er vor einigen Jahren.

Das finde ich persoenlich sehr bewundernsert. Anstatt dass er sich ueber seine Vergangenheit aufregt, hat er daraus gelernt und moechte das an seine Gemeinde weitergeben. Wenn ich ihn jetzt sehe, sehe ich einen ruhigen/ gelassenen, besorgten, charmanten, witzigen, klugen und froehlichen Kerl, der sich am Leben erfreut - obwohl er alleine in einem "Loch" wohnt und keine Familie hat. Ich mag Naties sehr gerne und wuensche ihm, dass sein Wunsch in Erfuellung geht und er den Jugendlichen von Hawston helfen kann, denn sonst tut es niemand...

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