Am Freitag Mittag war ein laengerer Gottesdienst, an dem ich aber weder in Hermanus noch in Khayelitsha teilgenommen habe. Ich war damit beschaftigt, von A nach B zu kommen (was diesmal sehr nach der African Time ging...). Anstatt um 12h00 sind wir naemlcih erst um 15h40 losgefahren, weshalb ich auch entsprechend spaeter in Khayelitsha ankam (s.o.).
Am Samstag Abend sollte die traditionelle Osternacht um 18h00 anfangen. Ich war – wie viele andere Leute auch – puenktlich in der Kirche. Ausser ein bisschen Warmsingen etc. geschah aber lange nichts. Um ca. 20h30 (!), die Kirche war mittlereile brechend voll, kamen dann Father Ningi, die Minister und Ministranten mit tonnenweise Weihrauch, der Gottesdienst hat so richtig angefangen. Vor dem Altar stand ein kleines Tischchen mit einem kleinen Kreuz darauf. Nachdem am Anfang feierlich das grosse Kreuz von seinem Tuch waehrend der Fastenzeit befreit worden ist, hat JEDER die Moeglichkeit zu einem persoenlichen Gebet bekommen. Immer zu zweit sind dann nacheinander ALLE Anwesenden zu diesem Tischen gekommen, haben sich hingekniet und kurz gebetet, waehrend der Rest ein Lied nach dem anderen angestimmt hat. Das hat ziemlich lange gedauert.
Danach sind alle raus gegangen, wo ein winziges Osterfeuer gebrannt hat. Die Osterkerze wurde mit Buchstaben, Zahlen und Naegeln “bestueckt” und angezuendet. Wir haben singend eine kleine Prozession durch die Strassen unternommen – ich glaube es war so ca. Mitternacht – und beim Eintreten in die Kirche hat jeder seine Osterkerze angezuendet. Diese wurden allerdings nach ein paar Minuten wieder ausgeblasen...
Es gab ca. sieben Lesungen und ein Evangelium, dazwischen wurde jeweils ausgelassen gesungen und getanzt. Nach dem Evangelium haben diverse Leute (fuenf oder so) gepredigt, lange gepredigt, bis ihnen die Spucke versagte. Aber in allem, was geschah, war deutlich herauszuhoeren, dass die Auferstehung Jesu nur so gefeiert wurde: Die Leute haben gejubelt, geklatscht, Halleluja's gesungen usw.
Danach wurden Namhla und eine andere Frau getauft und ca. Zehn Ministranten offiziell in ihr Amt aufgenommen. Um ca. 01h30 kam Nontsasas Freund und hat mich aus heiterem Himmel nach Hause gebracht – ich war auf diesen Moment voellig unvorbereitet, weshalb ich ziemlich ueberstuerzt die Kirche verlassen habe. Insgesamt war ich also 7,5 Stunden da...
Am Sonntag hat der Gottesdienst um 10h00 angefangen. Also um 10h00 waren alle da, angefangen hat er um 10h20. Janina und Nadine waren auch da, und der Gottesdienst hat uns alle etwas ermuedet. Er war genauso lebhaft und mitreissend wie in der Nacht zuvor, doch hatte ich nicht mehr ganz die Kraft, das so lange auszuhalten. Der Gottesdienst war um 14h45 vorbei... Nochmal 4,5 Stunden, macht zusammen 12 Stunden. Ich habe uebrigens erfahren, dass die Osternacht am Sonntag Morgen um 06h30 vorbei war. Das allerdings hat niemanden daran gehindert, um 10h00 wieder gewaschen, gebuegelt, frisch und laechelnd in der Kirche zu erscheinen. Am Sonntag wurden ca. zehn oder 15 Kinder getauft (dauerte etwas...), sonst war es ein normaler Sonntagsgottesdienst, der nur noch ein bisschen froehlicher war, als ich es “gewohnt” war.
Alles in allem hat mir das schon sehr gut gefallen, nur war es tatsaechlich ein Marathon. Die Stimmung, die die Leute da verbreitet haben, macht mich immer wieder auf's Neue sprachlos und fesselt mich, hat mich selbst vom Einschlafen mitten in der Nacht abgehalten. Ich habe mich auch daran erinnert, was das Wort Geduld wohl bedeutet und habe das auch echt (erfolgreich) geuebt. Doch neben dem, was die Musik und die Gesten der Menschen in diesem Gottesdienst in mir ausgeloest haben, ist das nicht so wichtig...
Bild: Versuch, die wahnsinnige Stimmung der tanzenden Leute einzufangen.
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